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Perlen-Ritual

Autorenbild: Margarita Medina
Margarita Medina
23. Okt.
2 Min. Lesezeit

Vor Jahren erlebte ich eine Feier anlässlich meiner neuen Arbeitsstelle. Alle

Beteiligten einer Gruppe hatten sich für eine symbolische Aktion

zusammengefunden. Viele unterschiedlich große Perlen aus Glas, Keramik, Holz

und Metall standen für die vielfältige Gruppe und ihre Hoffnungen für die

gemeinsame Arbeit. Perlen entstehen durch einen Fremdkörper, der ins Innere

dringt. Als Abwehrmaßnahme kapselt die Muschel den Fremdkörper ab und

umhüllt ihn mit Perlmutt. Nach und nach entsteht dann eine Perle.


Jede Frau nahm eine Perle, verband diese mit den Wünschen. Nach und nach

wurden sie auf ein Band gefädelt. Manchen zitterten dabei sichtbar die Hände.

Auch ich begann ob des Ausmaßes der Wünsche zu zittern, allerdings innerlich.

Einige der Beteiligten konnten nicht mehr gut sehen. Ein Missgeschick geschah:

die Perlen kollerten auf den Boden. Wir haben sie dann gemeinsam

zusammengesucht. Das kann passieren.


Doch mir war aufgefallen, dass es keine einzige Perle gab, die für Gespräche

stand bei möglichen Unstimmigkeiten, Konflikten oder Auseinandersetzungen.

Die habe ich dann bei meiner Antwort als meinen Wunsch symbolisch

hinzugefügt. Mehr als nachdenklich ging ich nachhause.


In dieser Eingangsszene war schon alles enthalten. Genau diese fehlende Perle

war der Schlüssel für einen unlösbaren Konflikt. Ich blieb ein Fremdkörper in

diesem System, der abgewehrt wurde. Alle professionellen Maßnahmen (wie

z.B. Supervision) konnten nichts ausrichten. Es endete ohne Abschied mit

einem vorzeitigen Aufhebungsvertrag.


Jahrelang habe ich getrauert. Eines Tages habe ich beim Aufwachen klargehabt,

dass ich ein Abschieds- und Übergangritual brauche, um auf das Neue

zuzugehen. Mit den Perlen bin ich ans Meer gefahren. Für jede einzelne konnte

ich endlich den Schmerz benennen und zugleich für die Lernschritte danken.


Den Perlen und dem Meer und mir und allen habe ich ein Lied gesungen und

lange am Strand geschlafen. Kaum etwas hat mich in dem Prozess so

weitergebracht wie dieses Ritual.



Bald darauf habe ich meine Praxis eröffnet. Mein Vorname kommt aus dem

Griechischen und bedeutet Perle.

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