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Nachgeholter Abschied

Autorenbild: Margarita Medina
Margarita Medina
19. Aug.
1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Okt.

Vor Jahren kamen Anna und Hans aufgrund einer Ehekrise in meine Praxis. Im

Verlauf des Prozesses stellte sich heraus, dass beide ihre Trauer über den

Verlust eines totgeborenen Kindes tief in sich vergraben hatten.


Ihr Sternenkind wog unter 500 Gramm und wurde seinerzeit ohne vorherige

Mitteilung und Beerdigung vom Krankenhaus entsorgt. Anna und Hans hatten

sich nie verabschieden können.


Gemeinsam haben wir ein Abschiedsritual entwickelt:

sie ließen einen kleinen Stein mit dem Namen des Kindes gravieren, suchten

Kinderlieder, Texte und Gebete aus. Zuvor hatten beide schwierige Gefühle

benannt, aufgeschrieben und zuhause verbrannt. Sie brachten diese Asche, den

Stein, und sowohl für das Kind wie auch für sie als Paar zwei Luftballons mit.

Am zehnten Jahrestag von Geburt und Tod trafen wir uns auf einem Friedhof,

der noch nicht über ein Sternenfeld verfügte und setzten uns kühn über alle

Vorschriften hinweg.


Am Ende fassten sich beide an den Händen und ließen sehr bewegt die

Luftballons steigen. Hoch oben am Himmel geschah es dann – die Luftballons

trennten sich und schwebten auseinander...

Später wurde klar, dass der nachgeholte Abschied es ihnen ermöglicht hatte,

wieder aufeinander zuzugehen. Mir hat diese Erfahrung viel über die heilsame

Kraft von Ritualen gezeigt- auch in Bezug auf lange zurückliegende Verluste.

Heute bieten viele Friedhöfe Sternenfelder an.

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